Was sind Gender Studies?

Wollen Mädchen tatsächlich lieber Geigerinnen werden als Dirigentinnen? Worauf lässt sich das verstärkte Engagement von jungen Vätern in der Betreuung ihrer Kinder zurückführen? Was steckt hinter der so genannten Feminisierung der Arbeitsmärkte? Warum verdienen Frauen in der Schweiz bis zu 25% weniger als ihre gleich qualifizierten männlichen Kollegen? Wie tragen internationale Vereinbarungen wie die Convention on the Elimination of all Forms of Discrimination against Women CEDAW zur tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern weltweit bei? Warum ist das Sterberisiko bei Herz-Kreislauf-Krankheiten für Frauen höher als für Männer? Bevorzugt die heutige Volksschule die Mädchen? Ist die ökonomische Besserstellung von Frauen in Tansania tatsächlich ein Beitrag zur Armutsreduktion?

In den Gender Studies werden Prozesse der sozialen Konstruktion von Geschlecht nachgezeichnet, analysiert und dekonstruiert. Das bedeutet nicht, dass es keine Männer oder Frauen gibt. Es interessiert vielmehr, was die Kategorie 'Mann' oder 'Frau' genau bezeichnet und welche Lebensrealitäten damit beschrieben werden. Ausgehend von Geschlecht als sozialer Strukturkategorie schärfen diese Analysen den Blick für die (Re)produktion sozialer Ungleichheit, für gesellschaftlichen Ein- und Ausschluss, für Teilhabe und Demokratie. Dabei setzen die WissenschaftlerInnen aus den Gender Studies die Wandelbarkeit der Geschlechterverhältnisse voraus. Sie beleuchten sowohl Persistenz als auch Wandel und fragen nach den jeweiligen Gründen.

Untersuchungen der Variabilität von Geschlechterverhältnissen über verschiedene geographische und zeitliche Räume hinweg werfen nicht nur ein Licht auf verschiedene Machtstrukturen sondern weisen auch auf die normalisierenden Effekte der symbolischen Ordnung hin. Die Naturalisierung der Geschlechterdifferenz - also der Verweis auf den natürlich-biologischen Ursprung von Geschlecht - stabilisiert bestehende Machtverhältnisse und legitimiert soziale Ungleichheiten. Mithilfe von Geschlechtertheorien werden derartige Naturalisierungen des Sozialen widerlegt, womit die Gender Studies herkömmliche Deutungsangebote in den Sozial- und Geisteswissenschaften insgesamt verändert haben.