Projektdauer
August 2026 – August 2029
Kurzbeschrieb
Geschlechtsspezifische Gewalt stellt ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit dar, von der weltweit etwa jede dritte Frau und in der Schweiz jede fünfte Frau betroffen ist. Geschlechtsspezifische Gewalt kann schwerwiegende körperliche, psychische und soziale Folgen nach sich ziehen. Es ist nach wie vor unklar, wie Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsfachkräfte in europäischen Spitälern wirksam auf geschlechtsspezifische Gewalt reagieren und inwiefern organisatorische Rahmenbedingungen ihre Reaktionen beeinflussen. Europäische Gesundheitssysteme kämpfen nach wie vor mit strukturellen Lücken: Versorgungspfade, Protokolle und Überweisungswege sind häufig nicht vorhanden oder zu wenig harmonisiert. Dies kann zur Folge haben, dass Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsfachkräfte in der Praxis auf ein fragmentiertes System treffen, was die Anwendung von Wissen und Kompetenzen in der Betreuung von Betroffenen geschlechtsspezifischer Gewalt zusätzlich erschwert.
Eine Literaturübersicht und bis zu 20 qualitative Einzelinterviews sollen Erkenntnisse liefern, wie stationäre Gesundheitsorganisationen in Europa und der Deutschschweiz auf die Versorgung gewaltbetroffener Frauen reagieren, welche systemischen und organisatorischen Faktoren eine angemessene Versorgung begünstigen oder erschweren und welche Forschungslücken in diesem Bereich weiterhin bestehen. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen in die Entwicklung zukünftiger Forschungsschwerpunkte sowie eines digitalen Schulungsprogramms für Pflegefachpersonen in deutschschweizerischen Spitälern ein.
Projektteam
- Prof. Dr. Michèle Amacker (IZFG)
- Dr. Christine Bigler (IZFG)
- Karin McEvoy (Berner Fachhochschule)
- Dr. Tania Rivero (Universitätsbibliothek Bern UB)